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Sennesblätter

Sennesblätter

Senna (Senna alexandrina Mill., unter ihren älteren Namen Cassia angustifolia Vahl und Cassia senna L.) ist ein niedriger Strauch aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae), der in den trockenen Regionen Nordafrikas und der Arabischen Halbinsel beheimatet ist. Ihren Namen hat sie vom arabischen Wort sana, und arabische Ärzte setzten sie bereits im 9. Jahrhundert zu Heilzwecken ein. Im Handel waren lange Zeit zwei Hauptsorten bekannt: die Alexandriner Senna, die über den ägyptischen Hafen Alexandria gehandelt wurde, und die Tinnevelly-Senna, die aus der Region Tinnevelly in Südindien stammt. Ihr getrocknetes Blatt (Sennae folium) zählt heute zu den offiziellen Arzneipflanzen des Europäischen Arzneibuchs und ist weltweit eines der bekanntesten pflanzlichen Abführmittel.

Die wichtigsten Wirkstoffe der Sennesblätter sind die Sennoside (vor allem Sennosid A und B), die zur Gruppe der Hydroxyanthracen-Derivate gehören, auch Anthranoide genannt. Daneben enthalten sie in geringeren Mengen Flavonoide, Schleimstoffe und andere Pflanzenstoffe.

Die Sennoside sind sogenannte Vorstufen: Sie passieren Magen und Dünndarm nahezu unverändert und werden erst im Dickdarm aktiviert. Dort wandeln die Bakterien der Darmflora sie in ihre aktive Form um, das Rheinanthron. Diese Verbindung kann die Peristaltik im Dickdarm anregen, also die Darmbewegung, sodass der Stuhl leichter vorwärts transportiert wird. Sie kann außerdem die Rückresorption von Wasser aus dem Darm verringern, was zu einem weicheren Stuhl und einer leichteren Ausscheidung führen kann.

Da die Wirkstoffe zunächst den Dickdarm erreichen müssen, tritt die Wirkung im Allgemeinen 6–12 Stunden nach der Einnahme ein. Produkte mit Sennesblättern werden deshalb typischerweise abends vor dem Zubettgehen eingenommen, damit sich die Darmtätigkeit bis zum Morgen einstellen kann.

Sennesblätter werden traditionell zur Linderung gelegentlicher Verstopfung verwendet sowie in Situationen, in denen ein weicherer Stuhl und eine leichtere Ausscheidung erwünscht sind. Häufig kommen sie in Kombination mit anderen Heilpflanzen oder Pflanzenfasern zum Einsatz, die ihre Wirkung ergänzen und ausgewogener machen können.

Senna zählt zu den am gründlichsten untersuchten pflanzlichen Abführmitteln. Nachfolgend fassen wir die Ergebnisse einiger wichtiger Forschungsarbeiten zusammen.

An einer 2021 veröffentlichten japanischen doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Studie nahmen 90 Erwachsene mit chronischer Verstopfung teil, die 28 Tage lang täglich 1 g Senna, Magnesiumoxid oder Placebo erhielten. In der Senna-Gruppe berichteten 69,2 % der Teilnehmer über eine allgemeine Verbesserung ihrer Beschwerden, verglichen mit 11,7 % in der Placebo-Gruppe. Senna erhöhte die Zahl der spontanen Stuhlgänge deutlich und verbesserte die Lebensqualität der Teilnehmer; schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf. (1)

In einer britischen doppelblinden Crossover-Studie erhielten 77 ältere Patienten in der Langzeitpflege mit chronischer Verstopfung eine Kombination aus Senna und Ballaststoffen oder Lactulose, und zwar über zwei Zeiträume von je zwei Wochen. Unter der Senna-Ballaststoff-Kombination war der Stuhlgang häufiger, die Stuhlkonsistenz besser und die Ausscheidung leichter, während sich die beiden Behandlungen in der Häufigkeit der Nebenwirkungen nicht unterschieden. (2)

Japanische Forscher untersuchten, wie Darmbakterien Sennoside in ihre aktive Form umwandeln. Von den 135 untersuchten Milchsäurebakterien- und Bifidobakterienstämmen waren vier – allesamt aus der Gattung Bifidobacterium – in der Lage, mehr als 70 % der Sennoside abzubauen. In einem Versuch an Mäusen steigerte die Gabe eines dieser Stämme (B. animalis subsp. lactis LKM512) die Darmperistaltik deutlich. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass auch die Zusammensetzung der Darmflora beeinflussen kann, wie wirksam Senna ihre Wirkung entfaltet. (3)

Eine amerikanische Literaturübersicht und Analyse auf der Grundlage klinischer Erfahrungen untersuchte die Nebenwirkungen einer längerfristigen Anwendung von Senna unter ärztlicher Aufsicht bei Kindern. Abgesehen von Hautreizungen, die bei Kindern im Windelalter selten auftreten, fanden die Autoren keine nennenswerten Nebenwirkungen, und auch für die häufig erwähnte Gewöhnung fanden sie keine Belege. (4)

Sennesblätter werden in Form von Tee, Pulver, Tabletten oder Flüssigextrakt verwendet, häufig in Kombination mit anderen Heilpflanzen oder Ballaststoffen. Dem Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) zufolge dürfen Präparate mit Sennesblättern kurzfristig als Arzneimittel bei gelegentlicher Verstopfung angewendet werden, und zwar bei Erwachsenen und Jugendlichen über 12 Jahren. (5)

Neben Produkten mit Sennesblättern ist eine reichliche Flüssigkeitszufuhr von 2–2,5 Litern täglich besonders wichtig, ebenso wie eine abwechslungsreiche, ballaststoffreiche Ernährung und regelmäßige Bewegung.

Wichtig! In der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern unter 12 Jahren sollten Sennesblätter nur nach ärztlichem Rat eingenommen werden.